Creo Ansys Simulation > Ergebnisse in Creo Ansys Simulation > Ergebnisse in Ermüdungsstudien interpretieren
Ergebnisse in Ermüdungsstudien interpretieren
Im folgenden Thema werden die verschiedenen Ergebnisse beschrieben, die Sie für Ermüdungsstudien definieren können. Außerdem werden Hinweise zur Interpretation der Ergebnisse gegeben.
Biaxialanzeige
Die Biaxialanzeige ist ein Ergebnis ohne Bemaßung, das bei Ermüdungsanalysen die Mehrachsigkeit des Spannungszustands an einer Position zeigt. Sie gibt Aufschluss darüber, ob ein Ermüdungsschaden durch eine dominante Hauptspannung oder durch zwei oder mehr Hauptspannungen vergleichbaren Betrags verursacht wird. Dieses Ergebnis hilft bei der Interpretation anderer Ermüdungsergebnisse wie der Ermüdungsfestigkeit, des Ermüdungsschadens oder des Sicherheitsfaktors.
Die Biaxialanzeige misst das Verhältnis der kleineren Hauptspannung zur größeren Hauptspannung (unter Ausschluss der null am nächsten liegenden Hauptspannung), um die Art des Spannungszustands zu bestimmen. So lässt sich ermitteln, ob die Vorhersagen zur Ermüdungsfestigkeit (unter Annahme uniaxialer Lasten) gültig sind.
Die Werte der Biaxialanzeige liegen im Bereich von −1 bis 1 und können wie folgt interpretiert werden:
−1 – Der Wert −1 entspricht reinem Schub. Er tritt häufig bei Torsionslasten auf. Hier ist ein Wechsel von der Vergleichsspannung (von Mises) zur maximalen Schubspannung erforderlich, um eine konservative Ermüdungsfestigkeit zu erzielen.
0 – Der Wert 0 entspricht einer uniaxialen Last und bedeutet, dass es sich bei den Spannungen um reinen Zug oder reine Komprimierung handelt. Hier sind die Annahmen der Ermüdungsanalysen am genauesten.
1 – Der Wert 1 entspricht einer reinen biaxialen Last mit jeweils gleichem Zug oder jeweils gleicher Komprimierung in zwei Richtungen.
Anhand dieses Ergebnisses können Sie verifizieren, ob multiaxiale Last auf Ihr Modell wirkt. Wenn der Wert nicht 0 ist (uniaxial), müssen die Ergebnisse für die Ermüdungsfestigkeit möglicherweise sorgfältiger anhand von Kriterien für multiaxiale Ermüdung ausgewertet werden.
Äquivalente Wechselspannung
Dies ist ein einzelner Spannungswert, der anzeigt, wie "schädlich" Ihre Last im Hinblick auf die Ermüdung ist. Er konvertiert komplexe, multiaxiale Lasten mit einer Mittelspannung ungleich null in eine einzige äquivalente, vollständig umgekehrte Spannungsamplitude. Dies ist der Spannungswert, der zum Auslesen der Ermüdungsfestigkeit aus der S-N-Kurve verwendet wird.
Die äquivalente Wechselspannung umfasst die folgenden Konvertierungen:
Multiaxiale Spannungskonvertierung – Kombiniert Spannungen aus unterschiedlichen Richtungen in einer einzigen äquivalenten Spannung.
Mittelspannungskorrektur – Berücksichtigt anhand von Modellen wie Goodman, Gerber oder Soderberg (derzeit nicht verfügbar, aber in zukünftigen Versionen verfügbar) die Zug- oder Komprimierungsmittelspannung.
Endgültiger Skalarwert – Wird direkt mit der S-N-Kurve des Materials verglichen.
In der nachfolgenden Abbildung sind die S-N-Kurve und die äquivalente Wechselspannung dargestellt. Die Y-Achse zeigt die Spannungsamplitude (S), und die X-Achse gibt die Anzahl der Zyklen (N) bis zum Versagen an.
S-N-Kurve mit äquivalenter Wechselspannung
Der Graph zeigt die folgenden Werte:
Blaue Linie: typische S-N-Kurve (Spannungsamplitude in Abhängigkeit von der Anzahl der Zyklen)
Rote gestrichelte Linie: äquivalente Wechselspannung
Grüne gepunktete Linie und roter Punkt: vorhergesagte Lebensdauer, d.h. der Schnittpunkt von äquivalenter Wechselspannung und S-N-Kurve
Sie können den Graphen wie folgt lesen:
Gehen Sie horizontal von der äquivalenten Wechselspannung zur S-N-Kurve und dann nach unten zur N-Achse.
Dieser N-Wert ist die voraussichtliche Ermüdungsfestigkeit (Zyklen) bei der aktuellen Last.
Ermüdungsschaden (Miner-Regel)
Schaden = Konstruktionslebensdauer / vorhergesagte Lebensdauer
Ein Schaden > 1 bedeutet ein Versagen vor Ende der Konstruktionslebensdauer.
Schadensbalken nach der Miner-Regel
Schaden D = Konstruktionslebensdauer ÷ vorhergesagte Lebensdauer
Der Schadensbalken zeigt Folgendes:
Grüner Bereich: Schaden < 1 – Sicher während der Konstruktionslebensdauer.
Orangefarbene gestrichelte Linie bei Schaden = 1 – Markiert den Schwellenwert.
Roter Bereich: Schaden >1 – Versagen vor Ende der Konstruktionslebensdauer.
Gezeigtes Beispiel: D = 1.67 – Nicht sicher (Lebensdauer verringert sich schneller als zulässig).
Sie können den Schadensbalken wie folgt interpretieren:
Wenn der Balken vor der Schwellenwertlinie endet, ist die Konstruktionslebensdauer in Ordnung.
Wenn die Linie überschritten wird, ist ein Versagen vor Ende der Konstruktionslebensdauer zu erwarten, es sei denn, Sie verringern die Lasten oder überarbeiten die Konstruktion.
Ermüdungsfestigkeit
Dieses Ergebnis ist die vorhergesagte Anzahl der Zyklen, die das Modell unter der gegebenen Last überstehen kann.
Das Ergebnis kann wie folgt interpretiert werden:
Lasten mit konstanter Amplitude – Der Wert für die Ermüdungsfestigkeit entspricht der Anzahl der Zyklen bis zum Versagen.
Variable Lasten oder Blocklasten – Der Wert für die Ermüdungsfestigkeit gibt die Anzahl der Lastblöcke (oder äquivalenten Zyklen) bis zum Versagen an.
Eine höhere Festigkeit bedeutet eine bessere Ermüdungsleistung.
Sicherheitsfaktor
Er ist ein Maß dafür, wie nahe die Komponente einem Versagen aufgrund von Ermüdung ist. Er gibt an, um welchen Betrag die Last vervielfacht werden kann, bevor ein Ermüdungsversagen eintritt.
Sicherheitsfaktor = zulässige Ermüdungsfestigkeit / angewendete zyklische Spannung
Sicherheitsfaktor SF
Die Sicherheitsfaktoranzeige zeigt Folgendes:
Rot: SF < 1 – Unsicher.
Gelb: 1 ≤ SF < 2 – Grenzwertig.
Grün: SF ≥ 2 – Ausreichende Sicherheit.
Blaue Markierung: Beispiel-SF = 1.6 – Muss beobachtet werden. Erwägen Sie Verbesserungen, wenn die Anforderung ≥ 2 ist.
Sie können die Sicherheitsfaktoranzeige wie folgt interpretieren:
SF < 1 – Erhöhen Sie die Festigkeit, oder verringern Sie die zyklische Spannung.
SF ≈ 1 – Die Komponente erfüllt das Ziel für die Konstruktionslebensdauer mit einer sehr geringen Reserve.
SF ≫ 1 – Eine größere Reserve bedeutet, dass die Komponente sicher ist.
* 
Creo Ansys Simulation Beschränkt den angezeigten maximalen Sicherheitsfaktor auf 15 (sehr sicher).
Zusammenfassung: Überblickstabelle der Ermüdungsergebnisse
Ergebnismenge
Bedeutung
Interpretation
Äquivalente Wechselspannung
Endgültige Spannungsamplitude für den Abgleich mit der S-N-Kurve
Umfasst die Effekte von multiaxialen Spannungen und Mittelspannungen
Höhere äquivalente Wechselspannung = geringere Ermüdungsfestigkeit
Extrem hoher Wert = Mittelspannung über den Grenzwerten
Ermüdungsschaden
Verbrauchter Bruchteil der Lebensdauer
Schaden > 1 = Versagen vor Ende der Konstruktionslebensdauer
Ermüdungsfestigkeit
Vorhergesagte Zyklen (oder Blöcke) bis zum Versagen
Höhere Festigkeit = längere Lebensdauer
Sicherheitsfaktor
Reserve gegen Ermüdungsversagen
Richtige Mittelspannungskorrektur für Ihre Ermüdungsanalyse wählen
Wenn Sie das Ermüdungsverhalten für die Lasttypen "Null" (Zero) oder "Verhältnis" (Ratio) definieren, können Sie die zu verwendende Theorie der Mittelspannung wählen. Die Auswahl der richtigen Mittelspannungskorrektur ist entscheidend, da unterschiedliche Modelle unterschiedlich konservative Ergebnisse liefern. Dieser Leitfaden hilft Ihnen, die richtige Theorie der Mittelspannung zu wählen, jeweils abhängig vom Materialverhalten, der Risikoakzeptanz und dem Anwendungstyp.
Diagramm auf Basis von Goodman und Gerber mit sicheren und unsicheren Bereichen
Die folgende Abbildung zeigt, wie die Goodman- und Gerber-Kriterien eine Mittelspannungskorrektur basierend auf den Werten der Wechselspannung und der Mittelspannung anwenden.
Das Diagramm zeigt Folgendes:
Blaue Linie: Goodman-Linie (σₐ ÷ Se + σₘ ÷ Sut = 1)
Gestrichelte parabolische Linie: Gerber-Linie (σₐ ​= Se​ (1−(Sut ÷ σₘ​​)2)
Roter Punkt: angewendeter Spannungszustand (Mittelspannung σₘ, Wechselspannung σₐ)
Grüner Pfeil + grüner Punkt bei σₘ = 0: äquivalente vollständig umgekehrte Amplitude (σₐ, eq), die für die S-N-Suche verwendet wird
Sie können das Diagramm wie folgt interpretieren:
Eine höhere Mittelspannung (σₘ) reduziert die zulässige Wechselspannung.
Die äquivalente Wechselspannung (σₐ,eq) wird mit der S-N-Kurve der Dauerfestigkeit verglichen.
Die folgende Tabelle zeigt einen Vergleich zwischen der Goodman- und der Gerber-Theorie der Mittelspannung.
Theorie der Mittelspannung
Goodman-Kriterien
Gerber-Kriterien
Allgemeine Einführung
Gemäßigt konservativ
Weit verbreitet in der Industrie.
Verwenden Sie Goodman, wenn Sie ein Gleichgewicht zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit wünschen und mit einer genau definierten Last arbeiten (üblich für Maschinenelemente).
Am wenigsten konservativ
Beste Theorie für das Verhalten von duktilem Stahl.
Verwenden Sie Gerber, wenn es sich bei dem Material um duktilen Stahl mit guter Qualitätskontrolle handelt und Sie leichtere Konstruktionen benötigen, die für signifikante Zugmittelspannungen optimiert sind.
Gleichung
hierbei gilt:
σa ist die Wechselspannung.
σm ist die Mittelspannung.
Se ist der Grenzwert für die Dauerfestigkeit.
Sut ist die Bruchfestigkeit bei Zug.
hierbei gilt:
σa ist die Wechselspannung.
σm ist die Mittelspannung.
Se ist der Grenzwert für die Dauerfestigkeit.
Sut ist die Bruchfestigkeit bei Zug.
Typische Anwendungen
Rotierende Wellen
Getriebeverzahnung
Geschweißte Komponenten
Maschinenelemente im Allgemeinen
Automobilstrukturen
Gewichtsoptimierte Komponenten in der Automobilindustrie
Rotierende Maschinen, die auf Leistung ausgelegt sind
Stahlteile mit belastbaren Zuverlässigkeitsdaten
Nicht sicherheitskritische Verbrauchermaschinen
Vorteile
Einfach
Einigermaßen konservativ
Gute Leistung bei den meisten Metallen
Am besten geeignet für experimentelle Ermüdungskurven von duktilen Stählen
Realistischere zulässige Spannungen
Häufig eingesetzt bei der Optimierung oder im Leichtbau
Nachteile
Ist immer noch eine lineare Näherung (eventuell zu konservativ bei duktilen Stählen)
Bildet das tatsächliche Versagensverhalten von duktilen Stählen nicht so gut ab wie Gerber
Nicht geeignet für spröde Materialien
Nicht geeignet, wenn Versagen schwerwiegende Folgen hat
In vielen sicherheitskritischen Konstruktionsvorschriften nicht akzeptiert
Tabelle für schnelle Entscheidungen
Szenario/Anforderung
Beste Theorie
Warum?
Hohe Sicherheit / Risikobereitschaft
Soderberg
Verhindert Nachgeben; sehr konservativ
Mechanische Konstruktionen für allgemeine Zwecke
Goodman
Ausgewogen, weithin akzeptiert
Optimierte Leichtmetallteile
Gerber
Am besten geeignet für das Ermüdungsverhalten duktiler Stähle
Sehr unvorhersehbare Lasten
Soderberg
Fehlermarge ist sicherer
Bekannte Zugmittelspannungen
Gerber
Parabolische Kurve stimmt mit dem Stahlverhalten überein
Genehmigung durch zuständige Behörden erforderlich
Goodman oder Soderberg
In den meisten Standards definiert
Spröde Materialien
Goodman
Gerber ist für das Verhalten spröder Materialien nicht anwendbar
* 
Obwohl die Soderberg-Theorie der Mittelspannung noch nicht verfügbar ist, wird sie in einer zukünftigen Version enthalten sein und wurde daher zum Vergleich aufgenommen.
Absolute No-Gos
Verwenden Sie Gerber nicht für spröde Materialien (Gusseisen, Keramik).
Verwenden Sie Soderberg nicht für Komponenten, die für möglichst geringes Gewicht optimiert werden müssen (dies kann die Konstruktion übermäßig einschränken).
Gehen Sie nicht davon aus, dass alle Kriterien zu ähnlichen Ergebnissen führen. Die Ergebnisse können im Bereich hoher Mittelspannungen erheblich voneinander abweichen.
War dies hilfreich?